top of page

Für wen schreiben wir noch: Mensch oder Maschine?

vor 19 Stunden
3 Min. Lesezeit

Digitale Inhalte haben heute zwei Leser: Menschen und Maschinen. Wer nur für eine Seite schreibt, verliert die andere. Genau diese Spannung ist Thema von Folge 129 des Podcasts Mind/Machine, in der Manuela Machner (KiNET.ai) und der digitale Psychologe Eliot Mannoia zwei sehr unterschiedliche Zugänge gegenüberstellen.


Frau am Laptop im sonnigen Büro, denkt über Menschen und KI nach; Sprechblasen mit Familie und Roboter. Oben: Für Menschen oder Maschinen?

Wer liest deine Website wirklich?

Manuela Machner schätzt, dass sie rund 80 Prozent ihrer Inhalte für KI-Systeme und 20 Prozent für Menschen schreibt. Die Grenze verläuft nach Format: Schnelle Beiträge auf TikTok oder LinkedIn, etwa zu einer neuen Funktion, richten sich an Menschen. Erklärende Inhalte wie Blogbeiträge sind dagegen gezielt so aufgebaut, dass KI-Systeme sie lesen, verstehen und als Quelle nennen.


Ihre eigenen Zahlen zeigen, warum. In drei Monaten wurde ihre Website in der klassischen Suche rund 260.000 Mal angezeigt und knapp 2.000 Mal angeklickt. Im selben Zeitraum wurde sie rund 33.000 Mal in KI-Antworten als Quelle ausgegeben. Die Sichtbarkeit in KI-Systemen ist also längst ein eigener Kanal, auch wenn daraus deutlich seltener ein Klick entsteht.


Zero-Click-Search verändert das Spiel

Immer mehr Menschen stellen eine Frage, lesen die kurze Antwort ganz oben und sind zufrieden. Sie besuchen keine Website mehr. Für Betriebe bedeutet das: Das Ziel ist nicht mehr nur der Klick, sondern in diesen Antworten als Quelle vorzukommen.


Menschenzentriert, aber systematisch

Eliot Mannoia schreibt bewusst noch primär für Menschen. Mit Human Check (humancheck.eu) hat er ein Werkzeug entwickelt, das digitale Kontaktpunkte wie Websites, Newsletter oder Checkout-Seiten anhand psychologischer Grundbedürfnisse prüft. Dazu gehören Vertrauen, Emotion, Zugehörigkeit, Usability und Barrierefreiheit.


Der Ablauf ist bewusst umgedreht: Zuerst beurteilt der Mensch, erst danach liefert die KI eine zweite Meinung. So wird verhindert, dass die KI-Einschätzung die eigene Meinung vorab prägt, der sogenannte Ankereffekt. Auch Teams sehen die Ergebnisse der anderen erst, wenn sie ihre eigene Bewertung abgegeben haben.


Verliert die Website für Menschen an Bedeutung?

Manuela Machner geht davon aus, dass Menschen Informationen künftig immer öfter im Chatbot besprechen, statt Websites zu besuchen: Was kostet das Angebot, wann ist ein Termin frei, was macht den Anbieter besonders? Die Informationen müssen trotzdem digital vorhanden sein, nur der Zugang verändert sich.


Umso wichtiger wird die persönliche Beziehung. Wer Kundinnen und Kunden eins zu eins anspricht, statt nur die breite Zielgruppe, schafft Bindung. Das gilt im Tourismus genauso wie bei der Versicherung, deren Vertreter man auch bei einem Jobwechsel mitnimmt, weil man ihm vertraut.


Wo Chatbots an ihre Grenzen stoßen

Standardfragen beantwortet ein Bot problemlos, etwa ob der Hund in die Gondel darf. Kritisch wird es beim verpassten Anschlussflug, beim Schadensfall oder beim Gast im Rollstuhl, der trotzdem auf den Berg möchte. Hier entscheidet, ob sich jemand die Zeit nimmt, eine individuelle Lösung zu suchen. Genau diese Zeit können Betriebe gewinnen, wenn Routinefragen automatisiert sind.


Alttexte: für die Maschine tun wir, was wir für Menschen nie getan haben

Ein Beispiel bringt die Folge auf den Punkt. Alttexte für Bilder wurden jahrelang vernachlässigt, obwohl sie Menschen mit Sehbeeinträchtigung helfen. Seit KI-Systeme Bilder über Titel und Alttexte einordnen, werden sie plötzlich ernst genommen. Das Ergebnis hilft am Ende beiden Seiten.


Die Lehre daraus: Viele Inhalte sind auf den Absender fokussiert, auf Geschichte, Marke und Leistungen. Zu selten wird gefragt, wie ein Bild oder Text beim Gegenüber wirkt. Ein großer Hund auf der Startseite eines Hotels wirkt auf Hundeliebhaber sympathisch, auf Menschen mit Angst vor Hunden abschreckend. Beides ist eine Botschaft.


Fazit: beide Leser mitdenken

Inhalte im digitalen Raum entstehen künftig für Mensch und Maschine. Für die Maschine braucht es Struktur, klare Antworten und Relevanz. Für den Menschen braucht es Verständlichkeit, Emotion und das Gefühl, gesehen zu werden, ohne Manipulation und ohne Dark Patterns.

Häufig gestellte Fragen

Soll ich Inhalte für Menschen oder für KI-Systeme schreiben?

Für beide. Erklärende Inhalte wie Blogbeiträge profitieren von einer klaren Struktur, die KI-Systeme zitieren können. Gleichzeitig müssen sie für Menschen verständlich und angenehm zu lesen sein.

Was bedeutet Zero-Click-Search für meinen Betrieb?

Viele Menschen bekommen ihre Antwort direkt in der Suche und klicken keine Website mehr an. Ziel ist daher, in diesen Antworten als Quelle aufzutauchen.

Warum sind Alttexte so wichtig?

Gute Alttexte beschreiben, was auf einem Bild passiert. Sie helfen Menschen, die nicht sehen können, und KI-Systemen, Bilder einzuordnen. Damit stärken sie Barrierefreiheit und Sichtbarkeit zugleich.

Wann braucht es trotz Chatbot den persönlichen Kontakt?

Standardfragen beantwortet ein Chatbot zuverlässig. Bei Sonderfällen wie einem verpassten Anschlussflug oder einem Gast im Rollstuhl braucht es einen Menschen, der eine individuelle Lösung sucht. Die Zeit dafür gewinnen Betriebe, wenn Routinefragen automatisiert sind.

Wo höre ich die ganze Folge?

Die komplette Folge 129 von Mind/Machine mit Manuela Machner und Eliot Mannoia gibt es hier: https://mind-machine.at/episoden/folge-129

Kommentare


bottom of page