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EmpCo im Tourismus: So findest du die Umweltaussagen auf deiner Website selbst

vor 1 Tag
6 Min. Lesezeit
Mann mit Lupe prüft am Schreibtisch Reiseprospekte zu Natürlichem Reisen; Karten mit nachhaltig, klimaneutral und grün. - KI generierte Illustration
Illustration - KI generiert

EmpCo gilt ab 27. September 2026 und regelt, wie Betriebe gegenüber Gästen über Umwelt und Nachhaltigkeit sprechen. Bevor du etwas änderst, brauchst du einen Überblick, was überhaupt auf deiner Website steht. Dafür reichen ein Browser und eine Tabelle: Fundliste anlegen, Website und Seitenquelltext nach Begriffen wie "nachhaltig" oder "klimaneutral" durchsuchen, Bilder, Buchungssystem und Sprachfassungen dazunehmen und jede Fundstelle nach ihrem Beleg sortieren. Das ist keine Hexerei, nur ein bissl Fleißarbeit.



Was ändert sich mit EmpCo?

EmpCo ist die Richtlinie (EU) 2024/825 (EUR-Lex) und gilt ab 27. September 2026. Der Kurzname kommt vom englischen Titel "Empowering Consumers for the Green Transition". Sie regelt, wie Unternehmen gegenüber KonsumentInnen über Umwelt und Nachhaltigkeit sprechen. Österreich hat sie mit einer Novelle des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) umgesetzt (BGBl. I Nr. 58/2026, Quelle: ts.at).

Die WKO hat für Tourismus- und Freizeitbetriebe eine eigene Information zur Umsetzung veröffentlicht. Ein guter Anfang ist die Bestandsaufnahme, und genau dabei hilft dieser Beitrag.


Was zählt als Umweltaussage?

Als Umweltaussage zählen nicht nur Texte, sondern auch Bilder, Farben, Symbole und Naturmotive. Das hält die Österreich Werbung auf ihrer Themenseite zur EmpCo-Richtlinie fest. Es ist also mehr, als man zuerst denkt. Das Wort "umweltfreundlich" gehört genauso dazu wie ein grünes Blatt neben dem Logo.


Laut WKO-Information zum Wettbewerbsrecht sind allgemeine Aussagen wie "umweltfreundlich" oder "klimafreundlich" nur vorgesehen, wenn eine anerkannte hervorragende Umweltleistung dahintersteht. Nachhaltigkeitssiegel brauchen ein Zertifizierungssystem oder eine staatliche Festsetzung, selbst gestaltete Kennzeichen zählen nicht dazu. Auch "klimaneutral" auf Basis reiner Kompensation wird dort genannt. Das ist hier sinngemäß wiedergegeben. Den genauen Wortlaut findest du in den Quellen.



Heute anfangen mit der Suche nach den kritischen Begrifflichkeiten rund um Nachhaltigkeit


Öffne deine Startseite und deine meistbesuchte Angebotsseite und schau auch in den Footer ganz unten. Such dort mit Strg+F (am Mac cmd+F) nach "nachhaltig", "umweltfreundlich" und "regional". Schreib jeden Treffer mit Wortlaut und Seite auf. Danach weißt du, wie groß die Aufgabe bei dir ist.


Als ich noch Geschäftsführerin einer Tourismusregion war, standen auf unserer Website Wörter wie "sanft" und "im Einklang mit der Natur". Wir wollten kein Greenwashing betreiben sondern eine Ausdrucksweise für unser Denken und Handeln finden und Gästen vermitteln, dass uns Werte wie Nachhaltigkeit wichtig sind. Heute gilt es genau abzuwägen lassen sich solche Aussagen auch beweisen.


Wo stehen Umweltaussagen auf einer Website?

Umweltaussagen stehen an viel mehr Stellen als im sichtbaren Text. Schau dir diese neun Stellen an:

  • Sichtbarer Text: Startseite, Zimmer, Angebote, Speisekarte, Anreise, Über uns.

  • Footer: der Bereich ganz unten, der auf jeder Seite mitläuft. Ein Satz dort steht oft hundertfach auf der Website.

  • Meta-Beschreibungen: die kurze Textzeile, die in Google unter deinem Seitentitel erscheint.

  • Alt-Texte: die unsichtbare Beschreibung hinter jedem Bild, gedacht für Suchmaschinen und Screenreader.

  • Strukturierte Daten: maschinenlesbare Angaben im Hintergrund der Seite, die Gäste nie sehen, Suchmaschinen und KI-Systeme aber schon. Wie diese Daten bei Hotels aufgebaut sind, erkläre ich im Beitrag Strukturierte Daten für Hotels.

  • Buchungssystem: Merkmale und Filter wie "umweltfreundliche Unterkunft", die irgendwann jemand angehakt hat.

  • Siegel und Symbole: besonders eigene Gestaltungen, die wie eine Auszeichnung wirken.

  • Sprachfassungen: Übersetzungen sind oft älter als der deutsche Text.

  • Eingebundene Widgets: Bausteine anderer Anbieter, etwa Buchungsmasken, Wetter oder Ausflugstipps. Ihr Text wird auf deiner Seite angezeigt, kommt aber aus einem anderen System.


Wie mache ich die Bestandsaufnahme Schritt für Schritt?

Die Bestandsaufnahme gelingt in sieben Schritten, ganz ohne Software. Ein Browser, eine Tabelle und etwas Zeit reichen.


1. Fundliste anlegen. Für den Anfang genügen drei Spalten: Wortlaut, Seite, Beleg ja oder nein. Wenn die Liste wächst, ergänze Fundort, Sprache und wer den Text ändern kann. Eine leere Vorlage mit allen Spalten und den Suchbegriffen kannst du ohne Anmeldung herunterladen: Vorlage Fundliste.


2. Umfang klären. Die Sitemap, also das Seitenverzeichnis deiner Website, findest du meist unter deinedomain.at/sitemap.xml. Sie zeigt die Seiten, die dein System dort einträgt. Vollständig ist sie nicht immer, aber du siehst die Größenordnung.


3. Website-Suche nutzen. Geh die Suchbegriffe unten einzeln durch. Hat deine Website keine eigene Suche, tipp in Google site:deinedomain.at und dahinter den Begriff. Beispiel: site:kinet.ai Nachhaltigkeit

Wichtig, zwischen site und der Domain darf kein Leerzeichen sein und du musst direkt in google.com suchen.


4. In den Seitenquelltext schauen. Rechtsklick auf die Seite, "Seitenquelltext anzeigen", dann mit Strg+F (am Mac cmd+F) dieselben Begriffe suchen. So findest du Meta-Beschreibungen, Alt-Texte und strukturierte Daten. Mach das zumindest für Startseite, Zimmer, Angebote und die Seite über deinen Betrieb.


5. Bilder und Symbole durchsehen. Die findet keine Suche. Scroll bewusst durch und notiere Siegel, Logos und Icons.


6. Buchungssystem und Widgets klären. Frag bei jedem eingebundenen Baustein, woher der Text kommt. Eine Änderung im eigenen Redaktionssystem ändert den Text eines fremden Anbieters nicht.


7. Sprachfassungen einzeln prüfen. Mit den Suchbegriffen in der jeweiligen Sprache.

Bei mehreren hundert Seiten in mehreren Sprachen wird die Handarbeit mühsam, dafür gibt es inzwischen auch KI-gestützte Werkzeuge. Eines davon habe ich selbst entwickelt, mehr dazu in der Offenlegung am Ende.


Nach welchen Begriffen suche ich?

Starte mit diesen Begriffen und ergänze sie für jede Sprachfassung:

nachhaltig, Nachhaltigkeit, umweltfreundlich, umweltschonend, klimaneutral, klimafreundlich, CO2, ökologisch, öko, bio, grün, regional, natürlich, sanft, im Einklang mit der Natur, ressourcenschonend, energieeffizient, plastikfrei, Ökostrom.

Für Sprachfassungen zum Beispiel: sustainable, eco, green, climate, carbon neutral, sostenibile, ecologico.

"Regional", "bio" und "natürlich" liefern viele Treffer. Nicht jeder davon ist eine Umweltaussage. Umgekehrt heißt eine leere Suche nicht, dass nichts da ist.


Wie sortiere ich die Fundstellen?

Sortiere die Fundstellen in drei Gruppen, sobald die Liste steht:

  • Belegt: Die Aussage ist konkret und der Nachweis steht gleich dabei, etwa ein Zertifikat mit Link.

  • Beleg vorhanden, aber nicht daneben: Die Aussage stimmt, du hast den Nachweis im Ordner. Auf der Website sieht ihn aber niemand.

  • Pauschal ohne Beleg: ein allgemeines Wort wie "umweltfreundlich", ohne dass klar ist, worauf es sich stützt.

Diese Einteilung beschreibt nur, was du vorfindest. Eine rechtliche Bewertung ist sie nicht.


Wie formuliere ich eine Umweltaussage konkret?

Das Prinzip: Tatsache statt Werturteil. Statt zu sagen, dass etwas gut ist, sagst du, was du tust, seit wann und woran man es sieht. Der längere Satz ist dabei meistens der bessere.

  • Statt "Unser umweltfreundliches Hotel" etwa: "Seit [Jahr] beziehen wir unseren Strom aus [Quelle laut Liefervertrag]."

  • Statt "Regionale Küche" etwa: "[Produkt] kommt von [Betrieb] aus [Ort], [Entfernung] Kilometer von unserer Küche entfernt."

  • Statt "Wir gehen sorgsam mit Wasser um" etwa: "In [Anzahl] Zimmern haben wir [Jahr] wassersparende Armaturen eingebaut."

Setz nur ein, was für deinen Betrieb stimmt und was du belegen kannst. Auch ein konkreter Satz ist keine rechtliche Freigabe.


Soll ich Nachhaltigkeitsaussagen einfach löschen?

Nicht weniger schreiben, sondern belegbar. Ein häufiger Reflex, den ich gerade in Workshops sehe: alles löschen, was nach Umwelt klingt. Das nennt man Greenhushing, also Schweigen aus Vorsicht. Damit verschenkst du, was du tatsächlich tust. Wer Ökostrom bezieht, regional einkauft oder die Heizung umgestellt hat, soll darüber reden. Nur eben konkret.


Was kann die Fundliste und was nicht?

Die Fundliste ist Vorarbeit. Sie zeigt, was wo steht und wer es ändern kann. Ob eine Aussage im Einzelfall passt, beurteilt sie nicht. Wenn du unsicher bist, nimm die Liste zu einer rechtlichen Beratung mit. Mit einer sortierten Liste ist dieses Gespräch deutlich kürzer als mit einer leeren Seite.

Mein Fazit: Drei Seiten reichen für den Anfang. Was hast du dabei gefunden, womit du nicht gerechnet hättest?


Gratis Downloaden: Eine einfache Fundliste auf Excel, wo du deine Funde eintragen kannst.




Häufige Fragen zu EmpCo und Umweltaussagen


Ab wann gilt EmpCo in Österreich?

EmpCo gilt ab 27. September 2026. Österreich setzt die Richtlinie (EU) 2024/825 mit einer Novelle des UWG um, kundgemacht am 28. Juli 2026 im BGBl. I Nr. 58/2026 (Quelle: ts.at).


Betrifft mich das auch ohne Nachhaltigkeitszertifikat?

Ja, denn es geht um Aussagen, nicht um Zertifikate. Ein einzelnes Wort wie "umweltfreundlich" oder ein grünes Symbol kann laut Österreich Werbung schon eine Umweltaussage sein. Solche Sätze kommen oft unbemerkt aus alten Vorlagen auf die Website, das kenne ich aus eigener Erfahrung.


Darf ich meinen Betrieb noch nachhaltig nennen?

Über Nachhaltigkeit zu reden, bleibt sinnvoll. Die Frage ist, worauf sich ein Wort stützt. Laut WKO-Information sind allgemeine Aussagen nur mit anerkannter hervorragender Umweltleistung vorgesehen. Konkrete, belegbare Angaben zu deinen Maßnahmen tragen deshalb weiter als ein allgemeines Wort. Im Einzelfall klärt das eine rechtliche Beratung.


Wie lange dauert die Bestandsaufnahme?

Das hängt von der Zahl der Seiten und Sprachen ab. Bei einigen Dutzend Seiten ist es ein überschaubarer Nachmittag, bei mehreren hundert Seiten in mehreren Sprachen deutlich mehr. Ein Blick in die Sitemap zeigt dir die Größenordnung, bevor du anfängst.


Was mache ich mit Texten aus dem Buchungssystem oder von anderen Anbietern?

Notiere sie in der Fundliste mit dem Hinweis, aus welchem System sie kommen. Ändern kann sie meist nur der Anbieter oder deine Agentur. Die Liste hilft dir, gezielt nachzufragen.


Wer achtet in Österreich darauf?

Laut WKO läuft die Durchsetzung zivilrechtlich, über MitbewerberInnen und klagebefugte Verbände. Eine Behörde, die Websites von sich aus prüft, ist dafür nicht vorgesehen (Quelle: WKO Wettbewerbsrecht).


Weiterführende Quellen


Über die Autorin

Manuela Machner, KiNET.ai, Leoben. Fast zehn Jahre Geschäftsführerin einer Tourismusregion, heute KI-Beraterin im Tourismus. Mehr über Manuela


Offenlegung: Ich habe mit dem EmpCo-Check ein KI-gestütztes Werkzeug entwickelt, das Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen auf Websites findet und vorsortiert. Es ist keine Rechtsberatung. Mehr dazu auf der Produktseite. Für die Bestandsaufnahme in diesem Artikel brauchst du es nicht.


Für alle, die schneller ans Ergebnis kommen möchten, bietet sich der EmpCo-Check an.


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