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EmpCo Richtlinie Tourismus: Nachhaltigkeit in Texten finden

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit
Laptop mit Tourismus-Website und KI-Prüfung für grüne Inhalte; Berge, Hotel, Checkliste, Tasse und Hinweisschilder im Hintergrund. Als Symbol für eine Suche nach Nachhaltigkeitsbegrifflichkeiten - KI generiertes Bild
Auf der Suche nach Nachhaltigkeitsbegrifflichkeiten - Bild: KI generiert

EmpCo Richtlinie trifft auch unsere online Werbetexte im Tourismus

Stichwort EmpCo Richtlinie Tourismus: Regionen und Betriebe müssen ihre Umweltaussagen künftig belegen können. Was das für eure Texte bedeutet, steht hier.


Also ganz ehrlich ich bin froh, dass ich nicht mehr für eine Region zuständig bin und jetzt hunderte Seiten durchsuche muss um Formulierungen zu finden, die in dieser Form nicht mehr zulässig sind.


Vor ein paar Wochen ruft mich eine Region an und fragt mich ob ich nicht helfen könnte um schneller nachhaltige Bezeichnungen und Formulierungen zu finden, die nach der EU-Richtlinie nicht verwendet werden sollen. Und ganz ehrlich bis zu diesem Zeitpunkt habe ich noch nie etwas von EmpCo gehört und dachte, kein Problem ein kleiner Prompt in ChatGPT Codex oder Claude und das funktioniert schon. 2 Monate später weiß ich warum es doch nicht so einfach ist ;-) - doch darüber schreibe ich in einem anderen Blogbeitrag.


Nun zu den wichtigen Faktoren, ich habe es geschafft, ein Tool zu entwickeln, dass die Website durchsuchen kann, aber nicht nur die klassischen Seiten, sondern auch die Widgets (also die eingebetteten Inhalte), die Umweltauszeichnungen, die Meta-Descriptions und sogar die Schema-Texte um herauszufinden ob hier Umweltversprechen gegeben werden, die nicht im gleichen "Atemzug" bewiesen wurden.


Wörter wie "Umweltfreundlich", "nachhaltig", "klimafreundlich", "grün", "sanft", allein stehend, müssen klar spezifiziert werden. Also warum ist der Betrieb nachhaltig oder klimafreundlich, wieso bezeichnet man das Angebot als grün und Themen wie CO² -neutral etc. sind besonders genau zu betrachten.


Was kann nun das Programm:

  • es findet die Stellen, wo solche kritische Beschreibungen aufpoppen

  • es gibt den Link aus und 2 unterschiedliche KI-Systeme erklären was daran kritisch sein könnte

  • es findet problematische Textpassagen auch in anderen Sprachen (denn es gilt die Sprache wo der Gast den Content in der EU "konsumiert").

  • und es macht alternative Vorschläge.


Übrigens wusstet ihr, das sind so typische Formulierungen bzw. Themen die kritisch sind:


Formulierung: Nachhaltig! Was heißt das bei euch?

Ein Umweltwort steht allein da. Wie beweist du das, und zwar gleich hier bei dieser Aussage?

So steht es oft: "Nachhaltig urlauben im Herzen der Alpen."

Besser: "Wir heizen seit 10 Jahren mit Hackschnitzeln von Waldbauern aus dem Umkreis von 30 Kilometern"

Das Prinzip: Nicht das Wort behaupten, sondern die Maßnahme nennen. Den Schluss zieht der Gast selbst.


Formulierung: Klimaneutral. Weil ihr nichts ausstoßt oder weil ihr es woanders ausgleicht?

So steht es oft: "Ihr Aufenthalt bei uns ist klimaneutral."

Besser: "Wir unterstützen für jede Übernachtung folgendes Projekt: XY."

"Unsere eigenen Emissionen senken wir über folgende Maßnahmen: XY."

 Das Prinzip: Über das Ausgleichen darfst du reden. Nur nicht Neutralität daraus machen.


Öko-Labels, Auszeichnungen, Awards

Die spannendste Kategorie, drei unterschiedliche Fälle:

  • Das Zeichen eines echten Prüfsystems mit unabhängiger Kontrolle, etwa Umweltzeichen oder EU Ecolabel - die beste Variante, hier nur Gültigkeitsjahr dazuschreiben und aktuell halten.

  • Der Preis oder Award, den eine Jury einmal verliehen hat, hinter dem aber keine laufende Prüfung steht. Erklären: Der Preis den wir 2024 von XY für folgende Maßnahmen A, B, C verliehen bekommen haben.

  • Eigenes Logo/Siegel, dass man sich selbst oder irgendeine nicht offizielle Gruppierung sich vergeben hat. Besser das Bild weglassen und im Text die grundsätzlichen Maßnahmen erklären.


Gilt das wirklich für alles?

So steht es oft: "Alle Zutaten kommen aus der Region." Wirklich alle?!

Besser: "Fleisch, Milch, Eier, Brot und Gemüse beziehen wir von Höfen im Umkreis von 40 Kilometern. Kaffee, Zitrusfrüchte und Reis natürlich nicht."

Das Prinzip: Die Ausnahme zu nennen macht dich glaubwürdiger, nicht schwächer.


Bis 2030 klimaneutral, und wo kann ich den Plan nachlesen?

So steht es oft: "Bis 2030 sind wir klimaneutral."

Besser: "Bis 2030 wollen wir [Ziel] erreichen. Zwischenschritte und aktueller Stand: [Link]."

Das Prinzip: Ein Ziel ohne einsehbaren Plan ist ein Wunsch.


Das müssen doch ohnehin alle

So steht es oft: "Bei uns wird der Müll getrennt."

Besser: streichen und den Platz für etwas verwenden, das nicht jeder macht.

Das Prinzip: Was gesetzlich Pflicht ist, ist kein Vorteil, keine besondere Leistung.


Fair, nach wessen Maßstab?

Soziales und Tierwohl. Faire Löhne, artgerechte Haltung, ohne dass jemand sagt, woran man das misst.

So steht es oft: "Unser Fleisch stammt aus artgerechter Haltung."

Besser: "Unser Rindfleisch kommt vom Hof Huber in St. Michael. Die Tiere sind von Mai bis Juli auf der Weide." Das Prinzip: Den Hof und bestenfalls die Maßnahmen nennen statt das Wort.


Und was bringt mir das? Ein Vorteil der keiner ist.

So steht es oft: "Unsere Zimmerschlüssel sind plastikfrei." Das Beispiel der WKO dazu ist "Unser Wasser ist vegan." Besser: weglassen.

Das Prinzip: Ein Vorteil, den alle haben oder der nichts bewirkt, wirkt nicht seriös, sondern bemüht.


Umweltfreundlicher als was? Ein Vergleich ohne Bezugsgröße.

So steht es oft: "Umweltfreundlicher als herkömmliche Hotels."

Besser: "Unser Energieverbrauch liegt bei [x] kWh pro Übernachtung. Der Branchendurchschnitt liegt laut [Quelle] bei [y] kWh."

Das Prinzip: Sag, womit du vergleichst und woher die Zahl kommt. Und vergleiche Vergleichbares, also nicht die Frühstückspension mit dem Wellnessresort.


Das nachhaltigste Hotel, sagt wer?

Superlative und Erstmaligkeit. Nachhaltigstes, grünste Region, erste klimaneutrale Destination, Vorreiter, Pionier.

So steht es oft: "Das nachhaltigste Hotel der Region."

Besser: "Wir haben als erster Betrieb in [Region] [konkrete Maßnahme] umgesetzt."

Das Prinzip: Eine Erstmaligkeit an einer nachprüfbaren Tatsache festmachen, nicht am Gesamtprädikat.


75 Prozent weniger, ausgehend wovon? Eine Zahl ohne Ausgangswert, Zeitraum und Bereich.

Die häufigste unauffällige Stelle überhaupt, weil sie sich seriös anfühlt.

So steht es oft: "Energieverbrauch um 75 Prozent reduziert."

Besser: "Zwischen [Jahr] und [Jahr] haben wir den Stromverbrauch im Wellnessbereich von [x] auf [y] kWh gesenkt."

Das Prinzip: Vier Dinge gehören zu jeder Prozentzahl. Ausgangswert, Zeitraum, Bereich und Messgröße.


Scope 3, bitte was?

Fachsprache und englische Begriffe ohne Erklärung. Offsetting, CO2-Äquivalent, Net Zero.

So steht es oft: "Wir kompensieren unsere Scope-1- und Scope-2-Emissionen."

Besser: "Wir gleichen die Emissionen aus, die direkt bei uns entstehen, also Heizung und Fuhrpark. Was bei unseren Lieferanten anfällt, ist nicht mitgerechnet."

Das Prinzip: Auf Deutsch schreiben, was gemeint ist.


Was kann der Bericht nicht:

  • eine Rechtsauskunft sein

  • garantieren, dass er wirklich alle Stellen überall findet

  • garantieren, dass er keine Fehler hat.



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