Gästefragen recherchieren: Rezeption, Google „Weitere Fragen“ und AnswerThePublic
Wir haben gelernt für Sichtbarkeit in KI-Systemen soll man die Antwort auf Gästefragen geben. Doch wie findet man heraus was Gäste wirklich fragen. Die Fragen vor Ort, die kennen wir: ob an der Rezeption, im Info-Büro oder am Telefon. Aber woher wissen wir was die Menschen fragen bevor sie uns finden.

Woher weiß ich welche Fragen die Gäste stellen?
Seit ich die Studie KI-Sichtbarkeit im Österreich-Tourismus veröffentlicht habe, höre ich in fast jedem Gespräch dieselbe Frage: Und was fragen die Gäste jetzt wirklich?
Die Frage ist berechtigt. Für die Studie habe ich 1.140.482 Quellenverweise aus KI-Antworten ausgewertet, zu 154 Gästefragen rund um einen Sommerurlaub in Österreich. Das Ergebnis: Es ist nicht die eine Seite, die zählt. Es sind viele Seiten, die je eine Gästefrage beantworten.
Dazu passt ein zweiter Befund. Seiten, die über dreißigmal für dieselbe Frage zitiert wurden, tragen zu 87 Prozent einen Kernbegriff der Frage im Titel. Bei Seiten, die nur einmal zitiert wurden, ist es die Hälfte. Das ist ein Zusammenhang und keine gemessene Wirkung. Die Richtung ist trotzdem klar: Wer die Fragen der Gäste kennt, weiß, welche Seiten die eigene Website braucht.
Ihr und euer Wissen, eure Expertise seid die Antwort, nicht das Angebot
Die meisten Websites sind aus der Sicht des Betriebs geschrieben: unsere Zimmer, unsere Pauschalen, unsere Geschichte. Ein Gast fragt aber nicht nach eurer Pauschale. Er fragt: Wo kann ich mit zwei kleinen Kindern wandern? Was mache ich, wenn es drei Tage regnet? Welche Therme eignet sich für einen Tagesausflug?
Es geht also nicht darum, was ihr verkaufen wollt. Es geht auch nicht mehr darum, möglichst viele Menschen auf eure Seite zu holen. Es geht darum, dass ihr mit eurem Angebot die Antwort auf eine Frage oder ein Problem seid. Und dass ihr diese Kompetenz auch im digitalen Raum beweist: mit Inhalten, an denen man merkt, dass ihr euch in eurer Region und in eurem Thema auskennt.
Ein Beispiel aus der Studie: Ein Gasthof wird von KI-Systemen mit einer Seite zu 15 Ausflügen bei Regen im Salzkammergut zitiert. Zimmer-, Preis- und Buchungsseiten kommen dagegen zusammen nur auf 2 Prozent der Zitate, die auf Websites von Betrieben führen.
Weg 1: Im eigenen Betrieb sammeln
Fragt an der Rezeption, im Infobüro, im Service und bei allen nach, die E-Mails und Telefon betreuen: Welche Fragen kommen ständig? Legt eine einfache Liste an, in die das ganze Team zwei Wochen lang jede Frage einträgt. Wichtig ist der Wortlaut des Gastes und nicht eure Fachsprache.
Diese Sammlung hat eine Grenze. Hier fragen Menschen, die schon gebucht haben oder kurz davor sind. Es sind die klassischen Fragen zu Anreise, Parkplatz, Check-in, Hund und Frühstückszeiten. Die gehören gut sichtbar auf eurer Website beantwortet. Sie zeigen aber nicht, was Menschen fragen, die euch noch gar nicht kennen.
Weg 2: Bei Google die Box „Weitere Fragen“ aufklappen
Für die Fragen vor der Buchung ist Google die einfachste Quelle, und sie kostet nichts. Google zeigt bei vielen Suchen eine Box mit dem Titel „Weitere Fragen“. Viele kennen sie noch als „Ähnliche Fragen“ oder „Nutzer fragen auch“. So nutzt ihr sie:

Gebt euer Thema in die Google-Suche ein, am besten mit Region oder Bundesland. Zum Beispiel: Wandern Steiermark.
Sucht in den Ergebnissen die Box „Weitere Fragen“. Sie zeigt zuerst meist vier Fragen.
Klappt eine Frage auf. Darunter steht eine kurze Antwort, inzwischen oft als Übersicht mit KI.
Jetzt kommt der Teil, den viele nicht kennen: Sobald ihr eine Frage aufklappt, lädt Google unten neue Fragen nach. Klappt also immer wieder die letzte Frage auf, und die Liste wird länger und länger.
Notiert die Fragen, die zu eurem Angebot passen, im Wortlaut.
Ich habe das am 1. Oktober 2026 mit „Wandern Steiermark“ ausprobiert. Google zeigte diese Fragen:
Welche sind die schönsten Wanderungen in der Steiermark?
Welche leichten Wanderungen gibt es in der Steiermark?
Welche Geheimtipps gibt es in der Steiermark?
Welche Wanderkarten gibt es für die Steiermark?
Nach dem Aufklappen der letzten Frage kam eine neue dazu: Welche Geheimtipps gibt es zum Wandern in Österreich?
Je genauer ihr sucht, desto genauer werden die Fragen. Probiert Thema plus Region, Thema plus Zielgruppe (Wandern mit Kindern Steiermark) und Thema plus Jahreszeit. Die Box erscheint nicht bei jeder Suche. Dann hilft ein etwas allgemeinerer Suchbegriff.
Weg 3: AnswerThePublic zeigt die Fragen nach Plattform
Ich arbeite persönlich sehr gern mit AnswerThePublic. Ihr gebt ein Thema ein und seht, welche Fragen Menschen dazu stellen, übersichtlich sortiert nach Fragewörtern wie wer, wie, wo, wann und warum.
Der große Vorteil: Das Werkzeug trennt die Ergebnisse in vier Bereiche. Suchmaschinen wie Google und Bing, KI-Modelle, soziale Medien und Shopping, also Verkaufsplattformen wie Amazon. So seht ihr auf einen Blick, wo welche Frage gestellt wird.
Ein paar Suchen könnt ihr gratis testen. Für umfangreiche Analysen braucht ihr ein bezahltes Konto.

Ein Beispiel aus der Praxis: Was Eltern zu „Urlaub mit Baby“ fragen
Wie so ein Ergebnis aussieht, zeigt eine Abfrage vom 1. Oktober 2026: Suchbegriff „Urlaub mit Baby“, Sprache Deutsch, Standort Deutschland (also was unsere deutschen Nachbarn fragen) AnswerThePublic liefert dazu 1.228 Einträge. 1.081 kommen von Google, 82 von Bing, 33 von Amazon, 31 von YouTube und einer von TikTok. Dazu kommen die Fragen an KI-Modelle, die das Werkzeug in der Grafik eigens ausweist.
Wer die Liste durchliest, erkennt schnell fünf Muster:
Wohin? Das ist die häufigste Frage. 24 der 41 Fragen bei Google beginnen mit wo oder wohin. Beispiele: wohin erster Urlaub mit Baby, wo Urlaub mit Baby in Deutschland, Urlaub mit Baby wohin fliegen.
Wie alt ist das Baby? Eltern suchen nach Monaten: Urlaub mit Baby 3 Monate, 6 Monate, 1 Jahr. Bei Google stehen 69 Suchbegriffe mit einer Zahl, fast alle davon mit dem Alter des Kindes.
Ab wann? Zum Beispiel: ab wann macht Urlaub mit Baby Sinn, wann erster Urlaub mit Baby.
Was muss mit? Zum Beispiel: was einpacken für Urlaub mit Baby, was darf im Urlaub mit Baby nicht fehlen, dazu Packliste und Checkliste.
Wie reisen und wohnen wir? Zum Beispiel: Hotel oder Ferienwohnung, fliegen oder fahren, ohne Flug, ohne Auto, mit Baby und Hund.
Für den österreichischen Tourismus besonders interessant: Obwohl die Abfrage für Deutschland gilt, kommt Österreich laufend vor. Gesucht wird nach Urlaub mit Baby in Österreich, in der Steiermark, in Kärnten, in Tirol und im Salzburger Land, nach dem ersten Urlaub mit Baby in Österreich und nach Urlaub mit Baby und Hund in Österreich.
Spannend ist auch der Vergleich der Plattformen. In den Suchmaschinen geht es um wohin und wann. Auf Amazon geht es um Produkte, etwa einen Schwimmring mit Dach. Bei den KI-Modellen stehen genaue Wünsche, zum Beispiel: Babytaugliche Hotels mit Kinderbetreuung oder Reiseziele für Babys ersten Urlaub. Und nicht jeder Treffer ist eine Gästefrage: Auf YouTube führt der Begriff auch zu Videos über die Puppe Baby Born. Die Liste braucht also immer euren Blick.
Eine Einschränkung: Ein Suchvolumen weist der Export nur für den Hauptbegriff aus, rund 1.900. Bei den einzelnen Fragen geht es also um die Muster und nicht um Mengen.
Was macht ein Familienhotel daraus? Es schreibt nicht einfach „Wir sind babyfreundlich“. Es beantwortet die Fragen der Eltern, jede auf einer eigenen Seite:
Urlaub mit Baby in der Steiermark: ab welchem Alter es bei uns gut passt
Urlaub mit Baby: was ihr nicht einpacken müsst, weil es bei uns im Haus vorhanden ist
Anreise mit Baby ohne Auto: so kommt ihr zu uns
Hotel oder Ferienwohnung mit Baby: was für welche Familie passt
Jede dieser Seiten beantwortet eine Frage, die Eltern tatsächlich stellen. Und jede zeigt, dass sich das Haus mit Babys auskennt. Genau das ist gemeint mit: Ihr seid die Antwort.
Weitere Quellen, die wenig oder nichts kosten
Suchvorschläge bei Google: Tippt euer Thema ins Suchfeld und wartet kurz. Google ergänzt, was oft gesucht wird. Setzt ein Fragewort davor, etwa wo, wann oder was kostet.
Google Search Console: Wenn eure Website dort angemeldet ist, seht ihr, mit welchen Suchanfragen Menschen schon bei euch landen. Filtert nach Fragewörtern.
Bewertungen: Lest eure Bewertungen bei Google, Booking und Tripadvisor, und auch jene eurer Mitbewerber. Was Gäste loben oder vermissen, war vorher eine Frage.
Foren und Gruppen: In Reiseforen, auf Reddit und in Facebook-Gruppen fragen Menschen in ihren eigenen Worten.
KI-Systeme selbst fragen: Fragt ChatGPT, Gemini oder Copilot zum Beispiel: Welche Fragen stellen Menschen, bevor sie einen Wanderurlaub in der Steiermark buchen? Das liefert gute Denkanstöße, aber keine Messdaten. Prüft die Vorschläge gegen.
Was ihr mit den gesammelten Fragen macht
Eine Liste allein bringt noch nichts. Drei Schritte machen daraus Sichtbarkeit:
Sortieren: Welche Fragen könnt ihr wirklich gut beantworten, weil ihr vor Ort seid und euch auskennt? Mit denen beginnt ihr.
Eine Frage, eine Seite: Schreibt zu jeder wichtigen Frage eine eigene Seite oder einen eigenen Beitrag, der die Frage vollständig beantwortet. Die Gästefrage gehört in die Hauptüberschrift und nicht als eine von vielen in die FAQ-Liste.
Die Antwort nach oben: Der Titel enthält den Begriff der Frage und den Ort. Direkt darunter steht eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Informationen. Erst dann kommen die Details. In die FAQ am Ende kommen die kurzen Zusatzfragen.
So ist auch dieser Beitrag aufgebaut.
Wenn ihr sehen wollt, welche Quellen KI-Systeme bei Fragen zu einem Urlaub in Österreich zitieren, könnt ihr im GEO-Monitor selbst nachschauen. Die ganze Studie findet ihr auf der Studienseite.
Wie kommt ihr nun zu euren Gästefragen?
Wie finde ich heraus, was meine Gäste wirklich fragen?
Auf drei Wegen: Ihr sammelt die Fragen im eigenen Betrieb, also an der Rezeption, im Infobüro, in E-Mails und am Telefon. Ihr klappt bei Google die Box „Weitere Fragen“ zu eurem Thema auf. Und ihr nutzt ein Werkzeug wie AnswerThePublic, das die Fragen nach Plattform sortiert zeigt.
Was ist der Unterschied zwischen FAQ und Gästefragen?
FAQ sind meist die Fragen von Gästen, die schon gebucht haben: Anreise, Parkplatz, Check-in, Hund, Frühstückszeiten. Gästefragen im weiteren Sinn stellen Menschen schon vor der Buchung, wenn sie noch überlegen, wohin die Reise geht. Diese Fragen brauchen eine eigene Seite mit der Frage in der Hauptüberschrift und keine Zeile in einer FAQ-Liste.
Was ist die Box „Weitere Fragen“ bei Google?
Das ist ein Bereich in den Google-Suchergebnissen mit Fragen, die Menschen zum gesuchten Thema häufig stellen. Früher hieß die Box „Ähnliche Fragen“ oder „Nutzer fragen auch“. Klappt ihr eine Frage auf, zeigt Google eine kurze Antwort und lädt darunter neue Fragen nach.
Was ist AnswerThePublic?
AnswerThePublic ist ein Werkzeug für die Recherche von Suchanfragen. Ihr gebt ein Thema ein und seht, welche Fragen und Suchbegriffe Menschen dazu verwenden, getrennt nach Suchmaschinen, KI-Modellen, sozialen Medien und Shopping.
Ist AnswerThePublic kostenlos?
Eine begrenzte Zahl an Suchen ist kostenlos, das reicht zum Ausprobieren. Für umfangreiche Analysen braucht ihr ein bezahltes Konto. Laut Preisseite beginnen die Pakete bei rund 13 US-Dollar pro Monat bei jährlicher Zahlung (Stand Oktober 2026).
Welche Alternativen gibt es zu AnswerThePublic?
Kostenlos sind die Box „Weitere Fragen“ und die Suchvorschläge bei Google. Die Google Search Console zeigt, mit welchen Suchanfragen Menschen schon auf eurer Website landen. Auch KI-Systeme wie ChatGPT oder Gemini liefern Vorschläge für Fragen, das sind aber Denkanstöße und keine Messdaten.






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