
KI-Texte im Tourismus: Was weißt du, das die KI ohne dich nicht weiß?
KI-generierte Illustration zum Thema eigenes Haus- und Regionswissen für Website-Texte.
Dieser Beitrag gehört zur Praxisreihe „KI-Sichtbarkeit im Tourismus – verständlich umsetzen“.
„Schöne Wanderwege, beeindruckende Ausblicke und herzliche Gastfreundschaft.“ Einen solchen Text kann ChatGPT auch schreiben, ohne dein Haus oder eure Region näher zu kennen.
Das wirft für mich eine spannende Frage auf: Wenn die KI das schon ohne euch schreiben kann, warum sollte sie dann auf eure Seite schauen, um diese Informationen zu bekommen?
Für deine Gäste zählt: Was erfahren sie bei euch, das ihnen bei der Planung tatsächlich hilft? Genau dieses Wissen könnt ihr sammeln und mit KI aufbereiten.
Der Anlass bei Google
Google hat am 1. Oktober 2026 den Leitfaden zu generativer KI auf Websites um Hinweise aus den Qualitätsrichtlinien ergänzt. Der Eintrag beschreibt eine Dokumentationsänderung. Quelle: Google Änderungsprotokoll.
Im Leitfaden nennt Google Recherche und die Strukturierung eigener Inhalte als sinnvolle KI-Anwendungen. Viele automatisch erzeugte Seiten ohne zusätzlichen Nutzen können gegen die Spamrichtlinien verstoßen. Google fordert auch eine manuelle Prüfung vor Veröffentlichung. Quellen: Google Leitfaden und Spamrichtlinien.
Für die Content-Arbeit im Tourismus nehme ich daraus vor allem mit: Bevor ihr einen Text schreiben lasst, braucht ihr die Informationen, die ihn für eure Gäste nützlich machen.
Euer Wissen steckt längst im Alltag
An der Rezeption erklärt ihr, welcher Weg vom Bahnhof mit Gepäck am angenehmsten ist. Per E-Mail beantwortet ihr Fragen zur Anreise, zu Zimmern oder zum Frühstück. In der Touristinformation empfehlt ihr einen Aussichtsplatz, den Gäste auf der üblichen Runde leicht übersehen.
Vielleicht ist dir gar nicht bewusst, wie viel du dabei weißt. Was für dich selbstverständlich ist, hilft jemandem, der zum ersten Mal zu euch kommt, bei einer konkreten Entscheidung.
Hotelbeispiel: Anreise ohne Auto
Nehmen wir als Beispiel das Hotel Morgenblick. Ein allgemeiner Text lautet:
„Unser Hotel ist bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Genieße eine entspannte Anreise und starte direkt in deinen Urlaub.“
Das klingt angenehm. Wer einen Koffer dabei hat, möchte zusätzlich wissen, wie die letzten Meter zum Hotel funktionieren.
Bevor das Team den Text schreiben lässt, sammelt es die Fragen aus den Anreise-Mails und den Gesprächen an der Rezeption: Wie weit ist es vom Bahnhof? Gibt es einen Anstieg? Wird abgeholt? Muss ich das vorher vereinbaren?
Aus diesen Antworten kann dieser Text entstehen:
„Vom Bahnhof gehst du rund 800 Meter zu uns. Der letzte Abschnitt führt bergauf. Mit schweren Koffern empfehlen wir dir unsere Abholung: Bitte melde dich dafür spätestens am Vortag bei der Rezeption. Die Abholung ist nach Vereinbarung zwischen 8 und 18 Uhr möglich. Wenn du später ankommst, unterstützen wir dich bei der Organisation eines Taxis; die Fahrt bezahlst du selbst.“
Destinationsbeispiel: Eine Wanderung mit Aussicht
Nehmen wir als Beispiel die Destination Bergtal. „Ein schöner Wanderweg mit herrlichem Panorama“ kann eine KI ohne besonderes Ortswissen formulieren.
Das Team weiß mehr. In der Touristinformation fragen Gäste nach einer kurzen Runde mit Aussicht. Bei Rückmeldungen zur Wanderung zeigt sich, dass viele den kleinen Aussichtspunkt neben der Hauptroute gar nicht entdecken. Eine Kollegin kennt die Bank mit dem schönsten Blick am Vormittag und die beschilderte kurze Rückwegvariante.
Diese Informationen werden zuerst zusammengetragen. Anschließend kann der Ausflugstipp so aussehen:
„Geh auf dem Panoramaweg bis zur Weggabelung beim alten Brunnen. Dort führt ein kurzer Abstecher zur Aussichtsbank oberhalb der Wiese. Am Vormittag liegt der See vor dir im Licht – ein guter Platz für eine Pause und ein Foto. Für den Rückweg kannst du die beschilderte Dorfroute nehmen und dir den langen Bogen über die Alm sparen. Frag in der Touristinformation nach der aktuellen Wegkarte; ich zeige dir die Abzweigung gern darauf.“
Die Region bringt hier Beobachtungen und Empfehlungen ein, die aus Erfahrung vor Ort stammen. Der Tipp beantwortet eine Gästefrage und macht eine besondere Stelle auffindbar. Solche öffentlich nutzbaren Abstecher und Abkürzungen werden anhand der aktuellen Wegkarte geprüft.
So kommst du an eure besten Informationen
Beginne mit einem konkreten Thema: Anreise ohne Auto, Frühstück für FrühaufsteherInnen oder eine kurze Wanderung mit Aussicht.
Frag dein Team dazu: Welche Fragen hören wir immer wieder? Was schreiben Gäste vor ihrem Aufenthalt? Was loben sie hinterher? Was überrascht sie? Und welchen Tipp geben wir persönlich, der auf der Website noch fehlt?
Schau besonders auf Aussagen wie „Das hätten wir gern vorher gewusst“ oder „Gut, dass du uns das gesagt hast“. Sie zeigen dir, welche Informationen für Gäste einen Unterschied machen.
Sammelt auch das Wissen, das sich oft erst im Gespräch zeigt: Welcher Einstieg ist am einfachsten? Wo gelingt das Foto am besten? Welche Zimmer passen zu einer bestimmten Vorliebe? Wie löst ihr eine wiederkehrende Frage im Haus?
Entscheidet gemeinsam, welche Insider-Tipps ihr weitergeben möchtet. Haltet jeweils fest, für wen der Tipp hilfreich ist und woher ihr ihn kennt. So entsteht eine Wissenssammlung, mit der ihr wirklich arbeiten könnt.
Erst die Informationen, dann der Text
Gebt der KI diese Sammlung als Grundlage. Lasst sie eure Angaben ordnen, Zusammenhänge erklären und verständlich formulieren. Wenn noch etwas fehlt, kann sie Rückfragen stellen.
Beim Lesen des Entwurfs zählt dann eine einfache Frage: Ist unser eigenes Wissen darin erkennbar? Oder sind die konkreten Hinweise wieder hinter allgemeinen Formulierungen verschwunden?
Ein einfacher Ablauf für dein Team
Wählt ein Thema und die Gästefrage dazu. Zum Beispiel: „Wie komme ich mit Gepäck vom Bahnhof zum Hotel?“ oder „Wo finde ich eine kurze Wanderung mit einem besonderen Aussichtspunkt?“
Sammelt euer Wissen. Schaut in E-Mail-Fragen, sprecht mit Rezeption und Touristinformation und bezieht Gästerückmeldungen sowie eure persönlichen Tipps ein.
Wählt die hilfreichen Details aus. Welche Information erleichtert eine Entscheidung? Was ist spezifisch für euer Haus oder eure Region? Prüft veränderliche Angaben mit der passenden Quelle.
Lasst KI aus dieser Sammlung einen Text machen. Gebt die Gästefrage, eure Antworten und die gewünschten Insider-Tipps mit. Lasst offene Fragen markieren.
Prüft und veröffentlicht. Sind eure konkreten Informationen im Text erhalten geblieben? Stimmen die Angaben? Legt fest, wer die Seite aktuell hält.
Google bezieht die Prüfung auch auf Seitentitel, Meta Descriptions, strukturierte Daten und Bildbeschreibungen. Diese Aspekte verdienen einen eigenen Blick; hier steht das Sammeln eures Wissens im Mittelpunkt. Quelle: Google Leitfaden.
Ist dir bewusst, was du weißt?
Du musst nicht jedes Thema neu erfinden. Schau auf das, was du deinen Gästen im Alltag ohnehin erklärst. Die KollegInnen an der Rezeption und in der Touristinformation haben dafür oft die besten Beispiele.
Nimm diese Woche ein Thema und sammle dazu zehn echte Fragen, Beobachtungen oder Empfehlungen aus eurem Haus oder eurer Region. Wähle anschließend die drei Informationen aus, die einem Gast am meisten helfen. Erst dann gibst du der KI den Schreibauftrag.
Dazu habe ich einen eigenen Leitfaden vorbereitet: „Das eigene Wissen für Website Inhalte sammeln“. Er führt euch durch Gästefragen, Rückmeldungen und das Wissen im Team. Ein Themenblatt hilft dabei, aus den Fundstücken eine konkrete Grundlage für den Text zu machen.
Für mich liegt genau darin eine gute Aufgabe für KI: Aus eurem Wissen verständliche Inhalte machen, in denen Gäste etwas über euer Haus und eure Region erfahren.
Wenn du diese Wissenssammlung mit deinem Team aufsetzen möchtest, schreib mir an info@kinet.ai. Ich unterstütze dich dabei, euren Erfahrungsschatz in die Content-Arbeit einzubringen.
Manuela Machner | KiNET.ai
Quellen zum Beitrag
Google Änderungsprotokoll vom 1. Oktober 2026. Leitfaden zur Verwendung generativer KI auf Websites. Spamrichtlinien zu Scaled content abuse.
Recherche geprüft am 4. Oktober 2026. Die Praxisbeispiele und der Ablauf sind redaktionelle Ableitungen.
Beitragsbild: KI-generierte Illustration.






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