Wie Künstliche Intelligenz den Vertrieb verändert, ohne den Menschen zu ersetzen
- Manuela Machner
- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Verkäuferinnen und Verkäufer haben Angst vor KI. Diese Angst ist verständlich, aber sie führt in die falsche Richtung. Bernd Buchegger, Digital Sales Experte und AI-Influencer bei AImpowering Sales, zeigt im Gespräch mit Manuela Machner und Eliot Mannoia im Podcast Mind/Machine, warum Künstliche Intelligenz den menschlichen Verkäufer nicht ersetzt, sondern neu erfindet.

Warum der Vertrieb erst spät digitalisiert wurde
Bernd Buchegger kommt nicht aus dem klassischen Verkauf, sondern aus der Informatik. Genau dieser Blick von außen macht seine Analyse interessant: Während Produktion und Logistik längst durchdigitalisiert sind, war der Vertrieb lange eine der letzten Bastionen, die sich der Automatisierung erfolgreich widersetzt haben. Der Grund liegt auf der Hand. Verkauf gilt als zutiefst menschliche Angelegenheit, getragen von Beziehungen und Vertrauen. Genau das stimmt nach wie vor, sagt Buchegger. Nur verändert sich, wie dieses Vertrauen heute entsteht.
Kunden sind heute besser informiert als früher, manchmal besser als der Verkäufer
Ein zentraler Punkt im Gespräch: Kaufentscheidungen laufen heute anders ab als noch vor zehn Jahren. Kundinnen und Kunden recherchieren digital, bevor sie überhaupt mit einem Unternehmen in Kontakt treten. Dadurch verliert der klassische Verkäufer die Informationshoheit, die er früher hatte. Die Konsequenz ist ein Rollenwandel: Vom Produktverkäufer zur Beraterin oder zum Berater, die oder der Fachwissen mitbringt und Vertrauen aufbaut. Vertrauen bleibt laut Buchegger die härteste Währung im Vertrieb, auch im KI-Zeitalter.
Interessant ist dabei ein Nebeneffekt der veränderten Informationssuche: Menschen nutzen zunehmend KI-Systeme, um Informationen zu recherchieren, statt Websites einzeln zu besuchen. Für Unternehmen bedeutet das, dass klassische Suchmaschinenoptimierung, SEO, zunehmend durch GEO ergänzt wird, die Generative Engine Optimization. Inhalte müssen so aufbereitet sein, dass KI-Systeme sie lesen, verstehen und in ihren Antworten wiedergeben können.
Wo KI im Verkaufsprozess den größten Hebel hat
Buchegger ordnet den klassischen Sales Funnel neu: Ganz oben, beim Erstkontakt und der Lead-Identifikation, bringt Automatisierung den größten Effekt, weil dort die Masse an potenziellen Kundinnen und Kunden anfällt. KI hilft dabei, sogenannte Kaufsignale zu erkennen und Leads zu bewerten, bevor überhaupt ein Mensch involviert ist. Je weiter der Prozess Richtung persönliches Verkaufsgespräch fortschreitet, desto wichtiger wird der Mensch.
Genau an dieser Schnittstelle setzt eine der praktischsten Ideen des Gesprächs an: KI als Sales-Coach. Verkäuferinnen und Verkäufer können mit KI-Systemen Verkaufsgespräche simulieren und üben, bevor sie auf echte Kundinnen und Kunden treffen. Podcast-Co-Host Eliot Mannoia berichtet von einem eigenen Custom GPT, das er aus YouTube-Transkripten zum Thema Verkauf gebaut hat, um typische Fehler wie vorschnelle Rabatte zu vermeiden.
Das CRM-Problem und wie KI es löst
Ein Grund, warum Digitalisierung im Vertrieb lange stockte, ist laut Buchegger simpel: Vertriebsteams haben es gehasst, Daten manuell ins CRM-System einzugeben. KI verändert das grundlegend. Verkaufsgespräche können automatisch transkribiert, zusammengefasst und analysiert werden. Action Items, Entscheidungen und Follow-ups landen direkt im CRM, ohne dass jemand tippen muss. Zusätzlich liefert KI eine Analyse der Gesprächsqualität selbst, etwa Redeanteil, Fragetechnik oder Gesprächsgeschwindigkeit, ein Service, für den man früher teure Vertriebscoachings gebraucht hätte.
Agentic Commerce und die Frage, wer in Zukunft kauft
Ein Aspekt des Gesprächs geht deutlich weiter in die Zukunft: Agentic Commerce, also KI-Agenten, die im Auftrag von Menschen selbstständig einkaufen. Die dafür nötigen technischen Protokolle existieren bereits. Buchegger sieht darin ein enormes Marktpotenzial, aber auch eine Frage, die ihn selbst nachdenklich macht: Was passiert mit dem Vertrieb, wenn nicht mehr der Mensch, sondern die Maschine kauft? Seine Einschätzung: Solange Menschen existieren, wird Einkaufen auch ein Erlebnis bleiben, das viele nicht vollständig an eine Maschine abgeben wollen.
Verantwortung bleibt beim Menschen
Auch für kleine Unternehmen ist KI kein Nice-to-have mehr
Zum Abschluss macht Buchegger Mut, gerade an kleine und mittlere Unternehmen gerichtet: KI war früher ein Thema für Konzerne mit großen Budgets. Heute können auch Start-ups und KMU mit überschaubarem Aufwand einsteigen, Schritt für Schritt, über einzelne Anwendungsfälle statt über eine komplette Neuaufstellung. Wer wartet, verliert keinen Anschluss für immer, aber je länger man wartet, desto größer wird der Aufholbedarf.
Häufig gestellte Fragen
Wird KI Verkäuferinnen und Verkäufer ersetzen?
Nein, aber der Vertrieb verändert sich grundlegend. Routineaufgaben wie Lead-Identifikation, CRM-Pflege und Erstansprache werden zunehmend automatisiert. Die Beratung, der Beziehungsaufbau und die Verantwortung für die Kaufentscheidung bleiben beim Menschen.
Was ist GEO im Unterschied zu SEO?
GEO steht für Generative Engine Optimization. Während klassisches SEO Inhalte für Suchmaschinen wie Google optimiert, geht es bei GEO darum, Inhalte so aufzubereiten, dass generative KI-Systeme sie verstehen, korrekt einordnen und in ihren Antworten zitieren können.
Wie kann KI im Verkaufsgespräch konkret helfen?
KI kann Verkaufsgespräche transkribieren, zusammenfassen und analysieren, etwa Redeanteil oder Fragetechnik bewerten, und dient als Trainingspartner für Rollenspiele vor echten Kundengesprächen. Das entlastet Vertriebsteams bei administrativen Aufgaben und verbessert die Gesprächsqualität.
Lohnt sich KI im Vertrieb auch für kleine Unternehmen?
Ja. Der Einstieg muss nicht groß sein. Ein einzelner Anwendungsfall, etwa automatische CRM-Pflege oder Lead-Bewertung, reicht als Startpunkt und lässt sich schrittweise ausbauen.
Die ganze Folge mit Bernd Buchegger gibt es im Podcast Mind/Machine von Manuela Machner und Eliot Mannoia, auf Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music und unter www.mind-machine.at.

