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Im Netz von Google

Google AI Mode, Personal Intelligence und das neue Shopping Protokoll: Der Umbruch der digitalen Entscheidungslogik - Manuela Machner erklärt die Zusammenhänge.


Das Netz von Google dargestellt zur Visualisierung der Veränderung von der Suche in Google, erstellt von Manuela Machner, KiNET.ai
Im Netz von Google

Wie betreffen mich die ganzen neuen Programme von Google?

Wenn wir uns die aktuellen technologischen Entwicklungen ansehen, wird schnell klar: Es geht hier um weit mehr als um kleine SEO-Feinjustierungen oder neue Werbeformate. Wir stehen vor einem grundlegenden Umbau der digitalen Infrastruktur. Die Kombination aus dem Google AI Mode in der Suche, der tiefgreifenden Personalisierung durch Personal Intelligence und dem neuen Shopping Protokoll macht KI-Systeme erstmals direkt handlungsfähig.


Kurz gesagt: Google weiß nicht mehr nur, was du wissen willst – Google weiß, was du willst, und organisiert es für dich.

Die Vision wird Realität: Vom "Alien" zur Alltagstechnik

Ich erinnere mich noch gut an ein Barcamp im Herbst 2023. Damals prognostizierte ich: "Die KI wird uns so gut kennen, dass sie weiß, welches Rad zu mir passt – ob E-Bike, Rennrad oder MTB, welche Farbe ich mag – und sie wird es mir einfach bestellen."

Die Reaktionen? Ungläubige Blicke. Viele hielten das für Science-Fiction oder zumindest ferne Zukunftsmusik. Doch kaum 2,5 Jahre später stehen wir genau an diesem Punkt. Die Kombination der neuen Google-Technologien macht dieses Szenario zur Realität.


1. Der Google AI Mode: Die Suche verändert ihre Rolle

Bisher war die Google-Suche ein Werkzeug: Begriff eingeben, Ergebnisse scannen, vergleichen, klicken. Der Mensch war der Aggregator der Informationen.

Mit dem Google AI Mode ändert sich diese Dynamik fundamental:

  • Vom Keyword zum Kontext: Menschen suchen nicht mehr in abgehackten Schlagworten, sondern beschreiben ihr Anliegen in ganzen Sätzen.

  • Antwort statt Liste: Die KI interpretiert den Kontext, ordnet Informationen ein und formuliert eine direkte Antwort. Was wir von ChatGPT kennen, ist nun Teil der größten Suchmaschine der Welt.

Die Konsequenz für Websites: Die klassische "Blue Link"-Trefferliste verliert an Dominanz. Entscheidend ist nicht mehr zwingend, wer auf Platz 1 rankt, sondern wer in der Antwort der KI (dem AI Overview) vorkommt – und warum der Nutzer darauf klicken sollte. Die Währung verschiebt sich von Ranking zu Relevanz.


2. Personal Intelligence: Kontext ist King

Mit Personal Intelligence geht Google den nächsten logischen Schritt. Die KI kennt nicht nur die isolierte Frage, sondern den Menschen dahinter.

In die Antwort fließen dynamische Faktoren ein:

  • Aktuelle Reisepläne

  • Frühere Kaufentscheidungen

  • Individuelle Vorlieben und Nutzungsverhalten

Zwei Personen können exakt dieselbe Frage stellen (z.B. "Welches E-Bike soll ich kaufen?"), erhalten aber völlig unterschiedliche Empfehlungen. Nicht aus Willkür, sondern weil ihre Lebensrealität unterschiedlich ist.


Vergleiche werden kürzer, Hürden fallen weg. KI-Systeme müssen nicht mehr spekulieren, da sie die Rahmenbedingungen kennen. Das Vertrauen verlagert sich von der eigenen Recherche hin zur KI-Empfehlung.

3. Das neue Shopping Protokoll: Einkaufen wird delegierbar

Hier geschieht der größte Bruch mit der Tradition. Mit dem neuen Shopping Protokoll wird die KI vom Berater zum Akteur. Sie kann:

  1. Produkte vergleichen

  2. Verfügbarkeiten in Echtzeit prüfen

  3. Den Kaufprozess vorbereiten oder direkt auslösen

Der Besuch auf einer Website wird dadurch optionaler. Die Website verschwindet nicht, aber sie rückt in den Hintergrund. Sie wird zur Datenquelle und Vertrauensbasis, dient aber nicht mehr zwingend als der primäre Ort der Transaktion.


Fazit: Wir wechseln das Betriebssystem unserer Entscheidungen

Früher hieß der Prozess: Suchen > Vergleichen > Entscheiden > Kaufen. Zukünftig heißt er: Anliegen formulieren > KI schlägt vor > KI wickelt ab.


Bleibt der Mensch der Entscheider?

Ja und Nein. Es wird eine Frage der Tragweite und der Persönlichkeit sein:

  • Bei C-Gütern (wie einem Büroordner) ist es mir egal, ob die KI Marke A oder B bestellt.

  • Beim E-Bike möchte ich vielleicht mitreden – es sei denn, ich kenne mich nicht aus. Dann verlasse ich mich lieber auf die Datenanalyse der KI als auf mein Bauchgefühl.


Andere Persönlichkeitstypen, die gerne tief recherchieren, werden weiterhin alles lesen wollen. Aber für viele wird die Delegation an die KI zur neuen Bequemlichkeit.


Was das für Ihr Marketing bedeutet (SEO & GEO)

Für Unternehmen und KMU ergeben sich daraus klare Handlungsanweisungen für die digitale Strategie:

  • SEO bleibt, aber anders: Es ist keine reine Ranking-Disziplin mehr. Sichtbarkeit entsteht dadurch, dass Ihre Inhalte von KI-Systemen als "verstehbar" und "relevant" eingestuft werden.

  • GEO (Generative Engine Optimization) ist Pflicht: Inhalte müssen so strukturiert sein, dass Maschinen sie als sinnvolle, verlässliche Quelle nutzen können. Wer nicht Teil der KI-Antwort ist, findet im Entscheidungsprozess des Kunden (dem "Consideration Set") nicht mehr statt.


Tipp: Mehr dazu, wie Ihr Eure Inhalte für KI-Antwortmaschinen fit machen könnt, lest ihr in meinem vertiefenden Artikel über GEO-Optimierung
Ein kurzes Short über die Entwicklung!


Die häufigsten Fragen zur Veränderung durch Google


Was bedeutet Personal Intelligence für mein Marketing?

Personal Intelligence bedeutet, dass Google den Kontext des Nutzers (z.B. frühere Käufe, aktuelle Reisepläne) in die Suchergebnisse einbezieht. Für das Marketing heißt das: Die "One-Size-Fits-All"-Ansprache funktioniert nicht mehr. Inhalte müssen spezifischer werden und klare Lösungen für unterschiedliche Nutzerbedürfnisse bieten, damit die KI sie der richtigen Person im richtigen Moment zuordnen kann.


Wie funktioniert das neue Shopping Protokoll für Händler?

Das Shopping Protokoll ermöglicht es der KI, nicht nur Produkte zu finden, sondern Kaufprozesse aktiv vorzubereiten (z.B. Verfügbarkeit prüfen, Warenkorb füllen). Für Händler bedeutet dies, dass strukturierte Produktdaten (Merchant Center Feeds) und technische Schnittstellen wichtiger werden als das rein visuelle Design des Online-Shops. Die KI muss Ihre Produkte "lesen" können, um sie zu verkaufen.


Verliere ich durch diese Entwicklung Website-Traffic?

Es ist wahrscheinlich, dass der sogenannte "Zero-Click-Traffic" zunimmt, da Nutzer Antworten direkt in der Suche erhalten. Allerdings dürfte die Qualität des verbleibenden Traffics steigen. Nutzer, die sich von der KI bis zu Ihrer Website durchklicken, haben oft eine höhere Kaufabsicht, da die KI die Vorqualifizierung bereits übernommen hat.

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