Die KI nennt jetzt die Bildquelle. Was das für deine Fotos bedeutet
ChatGPT hat mir zum ersten Mal gesagt, aus welcher Quelle ein generiertes Bild gebaut wurde. Nicht diffus aus Trainingsdaten, sondern konkret: Fotos der Stadtgemeinde Leoben. Für dich als Betrieb heißt das, deine Bilder sind nicht mehr nur Deko für Google. Sie sind Material, aus dem die KI baut. Im besten Fall mit deinem Namen dran.
Was passiert ist
Ich habe einen Standardtest, den ich bei jedem neuen Bildmodell mache. Ich lasse mir den Schwammerlturm in Leoben generieren. Ein regionales Wahrzeichen, kein Eiffelturm, also genau die Art von Motiv, an der Bildmodelle bisher gescheitert sind. Herausgekommen ist immer irgendein Turm, nur nie meiner.
Diesmal hat es geklappt. ChatGPT hat eine deutlich bessere Bild-KI bekommen. Gearbeitet habe ich in Codex mit der Browserfunktion, die davor Atlas geheißen hat. Überrascht hat mich aber nicht das Ergebnis, sondern der Weg dorthin.
Die KI hat im ersten Schritt geschrieben, dass sie das Aussehen anhand von Fotos recherchiert.
Dann hat sie einen ziemlich schlechten Schwammerlturm erstellt.

Dann hat sie ihr eigenes Bild überprüft und mit echten Fotos verglichen.
Sie hat die Fehler korrigiert und erst danach die richtige Variante ausgespielt.
Und sie hat mir die Fotoquelle genannt, nach der das Bild nachgebaut wurde. In diesem Fall die Stadtgemeinde Leoben.

Warum das ein Unterschied ist
Bisher war die Diskussion immer die gleiche. Bild und Text kommen aus einer diffusen Masse an Trainingsdaten aus dem Netz, mit allen bekannten Grenzen bei Genauigkeit, Herkunft und Urheberschaft. Niemand konnte sagen, woher ein einzelnes Bild wirklich stammt.
Jetzt zieht das System sichtbar Input aus einzelnen, konkreten Quellen. Und benennt sie. Das ist derselbe Mechanismus, den wir bei Text längst kennen. Die KI recherchiert live, verwendet was sie findet und nennt die Fundstelle. Neu ist, dass das jetzt auch für Bilder gilt.
Was das für deinen Betrieb heißt:
Deine Fotos sind Baumaterial
Wenn die KI ein Bild deiner Region oder deines Hauses bauen soll, greift sie auf das zurück, was öffentlich gut auffindbar ist. Wer viele saubere, richtig benannte Fotos auf der eigenen Seite hat, liefert das Material. Wer drei Bilder in schlechter Auflösung ohne Beschreibung online hat, überlässt das Feld anderen. Dem Tourismusverband, dem Bewertungsportal, der Buchungsplattform.
Sichtbarkeit bekommt eine zweite Ebene
Bisher ging es bei Bildern um das Ranking in der Google-Bildersuche. Jetzt geht es zusätzlich darum, ob dein Bildmaterial als Referenz herangezogen und mit deinem Namen genannt wird. Das ist genau die Logik der Generative Engine Optimization, nur eben visuell.
Für FotografInnen ist das zweischneidig
Seit drei Jahren sage ich in jedem Workshop, dass man Bilder von FotografInnen nicht einfach hochladen und mit KI weiterbearbeiten darf. Genau das macht das System jetzt von sich aus. Es sucht Fotos, baut daraus ein neues Bild und liefert es aus. Die Quellenangabe ist ein Fortschritt bei der Transparenz. Eine Lizenz ersetzt sie nicht.
Ich bin keine Juristin, deshalb nur der nüchterne Stand: In Österreich und Deutschland sind rein KI-generierte Bilder in der Regel nicht urheberrechtlich geschützt, weil die persönliche geistige Schöpfung fehlt. Ob ein Ergebnis Rechte an den verwendeten Vorlagen berührt, ist Einzelfall und gehört im Zweifel geprüft. Ich weiß nicht ob ich mich trauen würde dieses Bild zu verwenden.
Deine nächsten Schritte
Prüfe, ob deine besten Fotos öffentlich erreichbar sind. Nicht nur im Instagram-Feed oder im geschützten Pressebereich.
Gib jedem Bild einen sprechenden Dateinamen und einen Alt-Text mit Ort und Motiv. Also hotel-sonne-leoben-terrasse.jpg statt IMG_4827.jpg.
Nenne Betrieb und Ort im Text rund um das Bild. Die KI verbindet Bild und Kontext.
Kläre mit deinen FotografInnen schriftlich, was mit den Bildern passieren darf. Auch die Bearbeitung durch KI.
Mach den Test selbst. Lass dir dein Haus oder das Wahrzeichen deiner Region generieren und schau, was herauskommt und worauf sich die KI beruft.
Häufige Fragen
Nennt ChatGPT die Quelle für generierte Bilder?
Nicht immer. In meinem Test mit der Browserfunktion hat ChatGPT die Fotoquelle genannt, nach der das Bild nachgebaut wurde. Das passiert dann, wenn das System aktiv im Netz recherchiert. Bei einer reinen Generierung ohne Recherche bekommst du weiterhin keine Quelle.
Sind KI-generierte Bilder urheberrechtlich geschützt?
In Österreich und Deutschland gilt: Ein rein von der KI erzeugtes Bild hat in der Regel keinen urheberrechtlichen Schutz, weil die persönliche geistige Schöpfung fehlt. Das heißt aber nicht, dass wir jedes Bild einfach verwenden dürfen, denn hier kommt das Nutzungsrecht noch ins Spiel, das uns das Tool gibt. Für Sicherheit im Einzelfall brauchst du eine juristische Einschätzung.
Darf ich Fotos meines Fotografen mit KI bearbeiten?
Nur wenn dein Nutzungsvertrag das abdeckt. Eine einfache Verwendung ist nicht dasselbe wie eine Bearbeitung, und eine Bearbeitung durch KI ist noch einmal ein eigener Fall. Regle das schriftlich, bevor du Bilder in ein KI-Tool lädst.
Wie bringe ich meine eigenen Bilder in die KI-Ergebnisse?
Öffentlich erreichbar, gut benannt, mit Alt-Text und eingebettet in Text, der Ort und Motiv nennt. Je eindeutiger die Verbindung zwischen Bild, Name und Ort ist, desto wahrscheinlicher wird dein Material als Referenz herangezogen.
Muss ich KI-generierte Bilder kennzeichnen?
Der EU AI Act verlangt Transparenz bei synthetischen Inhalten. Unabhängig von der rechtlichen Pflicht gilt im Tourismus eine einfache Regel: Ein Bild, das ein Zimmer, ein Gericht oder eine Aussicht zeigt, die es so nicht gibt, kostet dich mehr Vertrauen als es dir Reichweite bringt.
Ersetzt die KI jetzt den Fotografen?
Nein. Die KI baut nach, wofür es Vorlagen gibt. Ohne gute echte Fotos von deinem Haus hat sie nichts, woraus sie bauen kann. Wer heute in professionelle Fotos investiert, liefert genau das Material, aus dem die KI später dein Haus darstellt.
Autorin:
Manuela Machner, die Expertin für Tourismus und KI im DACH-Raum plus Südtirol.






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