ChatGPT, Perplexity, Google AI Mode: Warum jedes KI-Tool andere Quellen zitiert
- Manuela Machner

- vor 20 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
ChatGPT, Google AI Mode, Perplexity und Google AI Overview beantworten dieselbe Frage mit unterschiedlichen Quellen. Wer bei einem Tool sichtbar ist, ist es beim nächsten nicht automatisch. Das zeigt eine Auswertung von 155 Gästefragen zu Österreich-Tourismus über sechs KI-Engines im April 2026.

Sechs Tools, ein Thema, sechs verschiedene Quellenlogiken
Wenn ein Gast fragt, welche Region in Österreich sich für Wandern eignet, bekommt er je nach verwendetem KI-Tool eine andere Antwort. Nicht weil die Frage anders gestellt wird, sondern weil jedes Tool nach eigenen Kriterien entscheidet, welchen Quellen es vertraut.
In der Österreich-Auswertung wurden 226.242 einzelne Citations über sechs KI-Engines erfasst. Die Verteilung zeigt bereits auf den ersten Blick, dass die Engines unterschiedlich aktiv zitieren. Google AI Mode lieferte mit 68.927 Citations die meisten Quellenangaben, gefolgt von ChatGPT mit 62.248 und Perplexity mit 46.379. Google AI Overviews kommt auf 25.096 Citations, Microsoft Copilot auf 23.592.
Interessanter als die Menge ist die Frage: Wen zitieren sie?
ChatGPT: Offizielle Quellen und etablierte Marken
ChatGPT setzt bei Tourismusfragen zu Österreich stark auf offizielle und institutionelle Quellen. austria.info steht weit oben, tirol.at, steiermark.com und kaernten.at sind regelmäßig vertreten. Dazu kommen etablierte Buchungsplattformen und Marken wie Komoot oder wanderdoerfer.at.
Am Beispiel Wanderfragen zeigt sich das besonders deutlich: tirol.at führt die ChatGPT-Auswertung an, gefolgt von austria.info. Persönliche Blogs oder Reisemedien tauchen zwar auf, aber nachrangig.
Was das für Destinationen bedeutet: Wer bei ChatGPT sichtbar sein will, braucht strukturierten, sachlichen Content auf Quellen mit institutioneller Glaubwürdigkeit. Eine gepflegte Präsenz auf austria.info oder den Landesportalen ist keine Selbstverständlichkeit, sie ist strategisch relevant.
Google AI Mode: Plattformen, Video und das eigene Ökosystem
Google AI Mode hat das ausgeprägteste Eigenbild unter allen analysierten Engines. google.com steht in der Gesamtauswertung an erster Stelle, mit 12.235 Citations. Davon entfallen 12.145 allein auf Google AI Mode. Diese Quelle dominiert also nicht weil sie inhaltlich stärker ist, sondern weil Google AI Mode bevorzugt auf eigene Properties zurückgreift.
Daneben zeigt Google AI Mode eine klare Vorliebe für plattformbasierte und medienreiche Quellen. YouTube ist hier deutlich stärker vertreten als bei anderen Tools. Bei Wanderfragen führt Komoot, YouTube folgt auf Platz zwei, Alltrails auf drei. austria.info taucht in den Top 8 gar nicht auf.
Google AI Mode belohnt Inhalte, die auf großen Plattformen mit strukturierten Daten und Medienmaterial vorhanden sind. Wer nur textbasierten Content auf der eigenen Website hat, wird hier seltener zitiert.
Google AI Overview: Überraschend offen für Blogs und Medien
Google AI Overview verhält sich anders als Google AI Mode. In der Wanderauswertung steht ein persönlicher Reiseblog, rauf-und-davon.at, an erster Stelle, noch vor YouTube. Die Verteilung ist breiter und unerwarteter als bei den anderen Google-Tools.
Das deutet darauf hin, dass Google AI Overview bei kurzen, kontextbezogenen Quellenangaben im Search-Kontext anders gewichtet als der eigenständige AI Mode. Medien und Blogs sind hier stärker vertreten, was dem klassischen SEO-Gedanken näherkommt: relevanter, gut verlinkter Content aus verschiedenen Quellen hat Chancen, unabhängig von der Plattformgröße.
Perplexity: News, Medien und Blogs ganz vorne
Perplexity hat unter den analysierten Tools die stärkste Affinität zu redaktionellen und nutzerbezogenen Inhalten. Bei Wanderfragen führen 1000thingsmagazine.com und rauf-und-davon.at nahezu gleichauf, bergwelten.com folgt auf Platz drei. Offizielle Stellen wie austria.info sind zwar vertreten, aber nicht dominant.
Perplexity verlinkt generell aktiver auf externe Quellen als andere Tools und bevorzugt dabei Quellen mit konkretem Mehrwert für den Nutzer: aktuelle Artikel, persönliche Erfahrungsberichte, themenspezifische Medien.
Für Tourismusbetriebe und Destinationen heißt das: Wer in Reisemedien und auf Content-Plattformen präsent ist, hat bei Perplexity bessere Chancen als jemand, der ausschließlich auf die eigene Website setzt.
Microsoft Copilot: Breit, aber mit geringerem Volumen
Copilot zitiert mit 23.592 Citations am wenigsten von allen analysierten Tools. Die Quellenauswahl ist dabei vergleichsweise breit und ohne ausgeprägte Spezialisierung. Sowohl offizielle Stellen als auch Plattformen und Medien tauchen auf, ohne klare Dominanz einer Kategorie.
Was sich daraus ableiten lässt
Kein einzelnes KI-Tool funktioniert wie das andere. Daraus folgt eine unbequeme, aber wichtige Erkenntnis für Destinationen und Hotels: Eine Strategie, die sich auf ein Tool oder eine Plattform konzentriert, greift zu kurz.
Wer bei ChatGPT auftauchen will, braucht glaubwürdige, strukturierte Inhalte auf anerkannten Domains. Wer bei Google AI Mode sichtbar sein will, muss auf Plattformen mit reichhaltigem Mediencontent präsent sein, am besten auf solchen aus dem Google-Ökosystem. Wer Perplexity-Nutzer erreichen will, braucht Präsenz in Reisemedien und auf Content-Plattformen. Und Google AI Overview zeigt, dass auch ein persönlicher Blog mit gutem Content und echter Nutzerperspektive Chancen hat.
Die unterschiedlichen Quellenlogiken spiegeln unterschiedliche Nutzererwartungen wider. Wer alle relevanten Engines abdecken will, muss Content über mehrere Kanäle verteilen, statt alles auf eine Plattform zu setzen.
Welche Fragen zur Zitierlogik der unterschiedlichen KI-Systeme sich ergeben.
Warum zitieren KI-Tools unterschiedliche Quellen für dieselbe Frage?
Jedes KI-Tool wurde mit anderen Trainingsdaten und anderen Gewichtungslogiken entwickelt. Google AI Mode priorisiert Inhalte aus dem Google-Ökosystem, ChatGPT bevorzugt institutionell glaubwürdige Quellen, Perplexity ist auf aktuelle und diverse Webinhalte ausgerichtet. Das Ergebnis sind unterschiedliche Quellenlandschaften, auch bei identischen Fragen.
Welches KI-Tool ist für Tourismus am wichtigsten?
Es gibt kein einzelnes wichtigstes Tool. Google AI Mode hat in der Österreich-Auswertung das höchste Citationsvolumen, ChatGPT folgt knapp dahinter. Perplexity hat zwar weniger Citations, aber eine hohe Nutzerzahl unter reiseaffinen Zielgruppen. Eine Strategie, die alle relevanten Tools berücksichtigt, ist wirkungsvoller als eine Fokussierung auf einen Anbieter.
Muss ich meine Website für jedes KI-Tool anders optimieren?
Nicht von Grund auf. Aber es lohnt sich, den Content über verschiedene Kanäle zu verteilen. Wer auf Google AI Mode setzt, sollte YouTube und große Plattformen bespielen. Wer bei Perplexity sichtbar sein will, profitiert von Medienberichterstattung und strukturierten Blogbeiträgen. Die eigene Website bleibt wichtig, aber sie ist nicht für alle Tools der primäre Einstiegspunkt. Strategische Hilfestellung für KI-Sichtbarkeit kann dir das GEO-Leitsystem geben.
Warum ist es wichtig zu wissen, welche Quellen KI-Tools zitieren?
Weil immer mehr Gäste ihre Reiseplanung mit KI-Tools beginnen, statt ausschließlich über klassische Suchmaschinen zu recherchieren. Wer in KI-Antworten nicht als Quelle vorkommt, verliert Sichtbarkeit in einem wachsenden Kanal.
Eine Studie von Sistrix (82.619 Prompts über 17 Wochen) zeigt, wie stark die Rotation ist: Google AI Mode tauscht 56% seiner Quellen wöchentlich aus, ChatGPT 74%. Gleichzeitig gibt es bei 86,5% der Prompts in Google AI Mode einen stabilen Kern von wenigen Domains, die dauerhaft zitiert werden.
Die entscheidende Frage ist also nicht nur "Bin ich in der Antwort?", sondern "Bin ich im stabilen Kern?" Für Destinationen und Hotels ist das ein strategischer Hinweis: Wer einmal zum festen Kern gehört, bleibt tendenziell dort. Wer nur im Karussell rotiert, kann nächste Woche schon weg sein.




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