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KI im Verein: Warum ein Serviceclub weiter ist als viele Firmen

18. Sept.
3 Min. Lesezeit


Die meisten Betriebe, mit denen ich arbeite, diskutieren noch, ob sie KI einsetzen sollen. Ein österreichischer Serviceclub hat das längst entschieden und macht heute mit einer einzigen Person ein Marketing, für das anderswo eine Abteilung zuständig wäre. In Folge 125 von Mind/Machine erzählt Sepp Schachermayr, Marketingverantwortlicher von Kiwanis Österreich, wie er das aufgebaut hat.


Der Ausgangspunkt: kleine Handgriffe, ständig wiederholt

Kiwanis unterstützt weltweit Kinder und Jugendliche. In Österreich sind das 83 Clubs, rund 2.500 Mitglieder und ein Spendenvolumen von etwa zwei Millionen Euro im Jahr. Jeder Club braucht Werbefolder, jeder Scheck bei einer Spendenübergabe soll gut aussehen.

Jahrelang hat Sepp genau das händisch gemacht: eine InDesign-Datei mit einer Ebene pro Club, Betrag eintragen, PDF exportieren, verschicken. Fünf bis zehn Minuten pro Stück. Heute füllt ein Mitglied ein Formular auf der Vereinshomepage aus und bekommt drei Minuten später den fertigen Scheck zugeschickt, ohne dass jemand eingreift.

Das ist der Punkt, den ich in Workshops immer wieder betone: Der Einstieg in KI ist nicht das große Projekt, sondern die kleine Tätigkeit, die sich oft wiederholt.


Sepp Schachermayr von Kiwanis Club Austria spricht über seine ersten Erfahrungen

Von einem Artikel zu sieben Ergebnissen

Ein Club schickt Text und Foto von seiner Veranstaltung. Was danach passiert, läuft ohne menschliches Zutun: Der Text wird korrigiert, eine Überschrift erzeugt, der Clubname aus dem Text extrahiert. Die Bilder landen am SharePoint. Es entstehen Grafiken für Facebook, Instagram und LinkedIn. Der Text erscheint auf der Vereinshomepage. Bei Videos erfolgt der Upload auf YouTube automatisch.


Dazu kommt ein Google Alert, der Presseartikel über Kiwanis einsammelt und ebenfalls automatisch in den Pressebereich der Homepage stellt. Über 500 Stück in zwei Jahren. Und schließlich eine Airtable-Datenbank mit rund tausend vorbereiteten Postings, die täglich automatisch ausgespielt werden.


Der Werkzeugkasten

ChatGPT für die Texte, Make für die Abläufe, Airtable als Datenbank, Placid für die Bildvorlagen und Claude, um Fehler in den Automatisierungen zu finden. Nichts davon ist exotisch, nichts davon erfordert Entwicklerwissen. Sepps Vorgehen bei Problemen ist bemerkenswert unkompliziert: Screenshot der Fehlermeldung in die KI, fragen wo der Fehler liegt, Korrektur einbauen.


Was messbar herausgekommen ist

Das erste Ziel war bescheiden: 150 neue Follower auf Facebook in sechs Monaten. Es wurden 300 in drei Monaten, allein durch Regelmäßigkeit. Mit Werbebudget erreichen einzelne Beiträge inzwischen 10.000 bis 15.000 Menschen, viele davon zum ersten Mal.

Für einen Verein ist das keine Eitelkeit, sondern die Geschäftsgrundlage. Wer nicht bekannt ist, bekommt keine Spenden. Und Sepps persönliche Bilanz: Er leistet statt 200 Stunden im Monat noch etwa 100 für die Organisation, bei gleichem Ergebnis.


Kanäle nach Zielgruppe, nicht nach Trend

Die Hauptzielgruppe von Kiwanis ist zwischen 40 und 100 Jahre alt. Also liegt der Schwerpunkt bewusst auf Facebook, nicht dort, wo gerade die meiste Aufregung herrscht. LinkedIn läuft mit, Instagram bedient die Jüngeren, TikTok ist das nächste Ziel. Vier in ChatGPT definierte Personas sorgen dafür, dass derselbe Inhalt je Kanal anders formuliert wird.


Wo bewusst der Mensch bleibt

Trotz tausend vorgeplanter Postings zeigt die Serie Menschen hinter Kiwanis echte Fotos echter Mitglieder. Die unter 40-Jährigen bekommen demnächst einen Brief auf Papier, gerade weil das heute auffällt. Und jeder KI-Text wird kontrolliert, weil die KI bei Fragen zur Vereinsgeschichte schon deutlich danebengelegen ist.

Automatisieren, was niemand vermisst. Menschlich lassen, was den Unterschied macht. Für Vereine gilt das genauso wie für Betriebe.


Konkrete nächste Schritte

Such dir eine Tätigkeit, die jeden Monat in genau derselben Form anfällt. Bau dafür einen ausführlichen Prompt mit klaren Regeln statt einer einzelnen Frage. Automatisiere erst, wenn derselbe Weg dreimal manuell funktioniert hat. Und halte schriftlich fest, was nie automatisch hinausgeht.


Welche Fragen ergeben sich zum Thema Vereine und Künstliche Intelligenz


Lohnt sich KI für einen kleinen Verein überhaupt?

Ja. Der Einstieg braucht kein Automatisierungstool. Schon ein gut gebauter Prompt für Rechtschreibung, Kürzung und Umformulierung von Vereinstexten spart pro Artikel spürbar Zeit und verbessert die Qualität.

Welche Tools braucht man für den Anfang?

Ein kostenloses Sprachmodell wie Claude oder ChatGPT reicht für den Start. Werkzeuge wie Make für Abläufe und Airtable für Daten kommen erst dazu, wenn sich ein Ablauf regelmäßig wiederholt.

Wie lange dauert der Aufbau eines solchen Systems?

Sepp Schachermayr rechnet mit rund zwei Wochen intensiver Einarbeitung inklusive Fehlversuchen. Danach kostet der laufende Betrieb kaum noch Zeit, abgesehen von gelegentlichen Fehlermeldungen.

Verliert ein Verein durch KI seine Authentizität?

Nur, wenn alles der Maschine überlassen wird. Echte Fotos, echte Namen und eine menschliche Kontrolle vor der Veröffentlichung erhalten die Nähe, von der ein Verein lebt.

Wo kann ich die ganze Folge hören?

Folge 125 von Mind/Machine ist auf Spotify, Apple Podcasts und Amazon Music verfügbar. Alle Folgen finden sich auf www.mind-machine.at.


Manuela Machner ist Gründerin von KiNET.ai in Leoben und begleitet Tourismusbetriebe, Destinationen und Organisationen beim praktischen Einsatz von künstlicher Intelligenz und beim Thema Sichtbarkeit in KI-Suchsystemen.


Eliot Mannoia, Co-Host ist digitaler Psychologe und Gründer von Brandkarma.at und bringt den Fokus von emotionaler Intelligenz in den Umgang mit KI in die Unternehmen und hilft die MitarbeiterInnen einzubinden, Ängste abzubauen und sie bei der Nutzung von KI zu stärken.

 
 
 

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